„Stärkung regionaler Banken ist gut für die Wirtschaft“

Münster, den 04.07.2016

Regulatorische Erleichterungen gefordert – Gedankenaustausch mit Staatssekretär Jens Spahn

Münster. „Regionale Genossenschaftsbanken spielen bei der Finanzierung des Mittelstands eine zentrale Rolle. Wer diese Banken stärkt, stärkt die Wirtschaft!“ Das erklärte Gerhard Bröcker, Vorstandssprecher der Vereinigten Volksbank Münster eG, im Anschluss an ein Gespräch von Genossenschaftsbanken mit Jens Spahn (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen. Zu der Veranstaltung in Münster hatte der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) eingeladen.

Im Gespräch machten die teilnehmenden Bankenvertreter deutlich, wie stark die Belastung der Volksbanken und Raiffeisenbanken durch Regulatorik und Meldepflichten zugenommen hat. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier in Münster verbringen immer mehr Zeit mit der Erfüllung dieser Anforderungen. Diese Kapazitäten fehlen im eigentlichen Kundengeschäft“, kritisiert Bröcker. Die Bankenvertreter setzen sich dafür ein, die regulatorische Bürde speziell für kleinere, solide Kreditinstitute wie die Vereinigte Volksbank Münster eG zu erleichtern. „Deswegen freuen wir uns sehr über den Vorstoß von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und weiteren europäischen Politikern, solche Erleichterungen auf EU-Ebene einzuführen“, erklärte Bröcker.

„Wir nehmen die Klagen der kleinen Banken ernst. Gerade kleinere, regional verwurzelte Banken haben dazu beigetragen, auch in der Finanzkrise eine ausreichende Kreditversorgung für die Wirtschaft vor Ort zu sichern. Gegenwärtig überprüft die Europäische Kommission die Regelungen der CRR/CRD IV. Die Bundesregierung begleitet diesen Prozess konstruktiv. Sofern dabei Defizite ans Licht kommen, werden wir uns für eine bessere Umsetzung des Proportionalitätsgrundsatzes durch regulatorische Erleichterungen zugunsten kleinerer, weniger komplexer Banken einsetzen. Dies darf allerdings nicht zu einer Verwässerung der materiellen Aufsichtsstandards führen“, erklärte Staatssekretär Jens Spahn.

Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des RWGV, unterstrich die Bedeutung der Volksbanken und Raiffeisenbanken für die Realwirtschaft. „Bei den genossenschaftlichen Regionalbanken in Rheinland und Westfalen machen Firmenkredite mehr als 30 Prozent der Bilanzsumme aus. Bei den privaten Großbanken in Deutschland sind es dagegen weniger als zehn Prozent“. Allein 2015 steigerten die 180 Genossenschaftsbanken im RWGV ihr Firmenkreditvolumen um 4,6 Prozent auf 74 Mrd. Euro, wie Barkey berichtete.

Dabei sind die Genossenschaftsbanken solide aufgestellt und verfügen über eine gute Eigenkapitalausstattung, wie RWGV-Vorstandsmitglied Siegfried Mehring betonte. „Dass Bankenregulierer und -aufsicht Wert auf vernünftige Eigenkapitalquoten legen, ist daher für uns völlig in Ordnung“. Ein Problem stelle jedoch die Fülle an neuen Regelwerken und Meldepflichten dar, verbunden mit einer immensen Bürokratie. „Dies belastet gerade die kleinen Banken – ohne dass es zusätzlichen Nutzen für die Finanzstabilität bringt“.

Vereinigte Volksbank Münster eG
Tauschten sich aus (von links): Siegfried Mehring, Vorstandsmitglied des RWGV, Gerhard Bröcker, Vorstandssprecher der Vereinigten Volksbank Münster eG, Jens Spahn, Staatssekretär und Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des RWGV

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